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Auf historischen Pfaden: Das Gartendorf liegt am Jakobspilgerweg

Aktuelles:

„Direkt vor den Toren Erfurts gelegen…“: Neue Ausstellung im Volkskundemuseum nimmt auch Wallichen, das Gartendorf am Pilgerweg, in den Blick

„Wir alle streben nach Glück und einem erfüllten Leben“, so die Ausstellungsmacher, „was allerdings Glück ist, darauf muss jeder für sich eine Antwort finden“. Seit Jahrhunderten nehmen Menschen dies wörtlich und gehen los: Auf eine Suche, die sie zum peregrinus („der Fremde“), zum Pilger macht, doch bei der sie sich selbst mit jedem Schritt näher kommen ... Pilgern liegt im Trend. Seit gut anderthalb Jahrzehnten durchziehen mehr und mehr wiederentdeckte und neue Wege auch Thüringen, gesäumt von Herbergen und Kirchen, wie in Wallichen, die Pilgern jederzeit offen stehen.

Die Ziele – besondere Orte - sind nah oder fern gelegen, en vogue oder heutzutage (fast) vergessen, Pilgerschaft und Wallfahrt nicht immer klar unterscheidbar. Begegnungen in der Gegenwart münden in Interesse an den Gebräuchen und Glaubensvorstellungen der Pilger früherer Zeiten. Mit Fokus auf Mitteldeutschland gibt die neue Ausstellung „Pilgern(n): Auf der Suche nach dem Glück“, bis 19.11.17 im Museum für Thüringer Volkskunde am Juri-Gagarin-Ring 140 a gezeigt wird, einen Ausblick auf Wege und Traditionen christlichen Pilgerwesens: Warum, wohin und wie wurde und wird gepilgert? Welche Spuren hinterließen die Pilger früherer Jahrhunderte hier? Und welche Spuren hinterlässt eine solche Reise im Leben heutiger Pilger? Alles ist spannend in Szene gesetzt mit besonderen Exponaten, darunter Leihgaben aus dem Erfurter Domschatz, der Abtei Maria Laach, dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, aus evangelischen Kirchen-Kreisen, von pilgerbegeisterten Privatpersonen, Archiven und multimediale Präsentationen.

Frau in blauem Shirt vor Bildschirm

Brunhilde Schierl freut sich riesig: In Wallichen hatte sie nicht nur die Gastfreundschaft ihres Herbergsvaters kennengelernt, nun entdeckt sie ihn auch noch in der multimedialen Bildschirmpräsentation der Erfurter Ausstellung wieder, die zudem auch Einblicke in das Gästebuch der Dorfkirche liefert.

Auch ein umfangreiches Begleitprogramm wird angeboten. Die nächste Führung durch die Ausstellung gibt es am Mittwoch, dem 14. Juni 2017, 14 Uhr, mit der Kuratorin, Dr. Andrea Steiner-Sohn.

Link zur Ausstellung: Pilger(n) - Auf der Suche nach dem Glück

Wallicher Pilgersüppchen und leckere Backwerke im Museum

Was gibt es Schöneres, als in der dörflichen Gemeinschaft an einem gedeckten Tisch zu sitzen? Egal, ob es einen Kaffee, ein Butterbrot oder Roggenkrüstchen mit selbstgemachter Kräuterbutter gibt, ein feuriges Gemüsesüppchen vom „Wallicher Hof“, bunte Muffins bei den Pelis oder leckere Gänserasen-Gräupchen, das herzliche Miteinander und die persönlichen Gespräche erfreuen Pilger und Herbergseltern in Wallichen gleichermaßen.

Plätzchen im Ofen

Bei den Pelis am Dorfplatz gibt es so manches Mal für Besucher frischgebackene Muffins... Foto: Andrea Pelikovsky

Zur Ausstellungseröffnung am Freitag gibt es von all dem auch eine ganz kleine Kostprobe für die Besucher der Erfurter Pilger-Ausstellung

Link zur Ausstellung: Pilger(n) - Auf der Suche nach dem Glück

Demnächst erscheint hier auch eine Liste mit den Pilger-Rezepten.

Saisonauftakt „unterm Regenbogen“: In Wallichen gibt es seit Anfang 2017 eine Herberge für Pilger

Drei Personen auf der Wallicher Dorfstraße. Über ihnen ein Regenbogen

„Wallicher Pilger-Saison-Start unterm Regenbogen“: Gäste aus der Mongolei und Elsterwerda waren hier, haben ihre Freude über den herzlichen, warmen Empfang an Katrins Kachelofen gleich ins Gästebuch geschrieben/ Foto: Glaubrecht

Bis zu 10 Personen können auf Isomatten bei Katrin Dünger in „Wallichens Hof“ am Gänserasen 7 übernachten. Auch besteht die Möglichkeit, zwei Campingbetten aufzustellen, bzw. zu einer Privatunterkunft mit zwei Betten vermittelt zu werden. Gastfreundschaft wird in Wallichen, nicht nur in Anlehnung an die alten Klosterhoftraditionen, großgeschrieben. Die heutigen Herbergseltern laden von Ostern bis Ende September Pilger herzlich zum Verweilen in die neue Verbundherberge ein. Wallichen, das „Gartendorf am Pilgerweg“, bildet ein „Stadttor“ zur Landeshauptstadt Erfurt. Für den Ort, der erstmals 1143 als Eigentum des Petersklosters Erfurt Erwähnung findet, wird 1241 eine Kirche der Bürgeler Benediktiner und später ein bedeutender Klosterhof beschrieben. Das jetzige Gotteshaus, auf den Grundmauern der alten Kapelle aus dem 13. Jh. errichtet, ist in der Pilger-Saison stets offen.

Link: Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger in Wallichen

Gottvertrauen statt Geld und Sicherheit: Pilgerin Brunhilde Schierl nahm in Wallichen die Würde der Frau in den Blick.

Samstagspilger in Wallichen

Brunhilde Schierl freut sich, ihr Herbergsvater hat sofort den Wallicher Stempel, den sie bereits in der Kirche gefunden hatte, entdeckt. / Foto: Glaubrecht

Dass Pilgern durchaus einen tieferen Sinn hat, bewies Brunhilde Schierl aus Drosendorf, Gründerin der „Nikolaus-Einkraft-Stiftung“, die auf ihrem persönlichen Pilgerweg von Görlitz nach Aachen am Pfingstwochenende auch in Wallichen, dem „Gartendorf am Pilgerweg“, Station machte.

Schritt für Schritt will die erfahrene Pilgerin Aufklärungsarbeit leisten, ihren 2016er Weg will sie für die Würde der Frauen gehen. Schierl, die davon überzeugt ist, dass die Würde des Menschen nicht von akademischen Titeln, Geld oder gesellschaftlich anerkannter Leistung abhängt, unterstützt Frauen auf besondere Weise: Mit einer eher symbolischen Geldgabe ihrer Stiftung will sie zwar keine Wunder bewirken, aber mittels der ideellen Anerkennung die Würde derer wiederherstellen, die Zeit ihres Lebens Großes geleistet, Kinder großgezogen, Eltern gepflegt oder Schicksalsschläge erlitten haben.

Wie es ihr persönlich auf ihrem ersten Pilgerweg von Flensburg bis Konstanz ergangen war, hat sie in einem Buch niedergeschrieben. Ohne Sicherheiten, mit absolutem Gottvertrauen, war sie rund 1450 Kilometer gepilgert Dabei war es die Bibelstelle „Zieht hinaus in die Welt, verkündet die Botschaft, heilt die Kranken. Nehmt kein Geld und kein Brot mit!“ (Lk 9,2) gewesen, die sie nicht nur inspiriert hatte, sondern ein richtiges Feuer in ihr entzündet hatte.

Heute „brennt“ Brunhilde Schiel für die Idee, das menschliche Miteinander zu verbessern, die Würde der Frau in den Blick zu nehmen, der Tatort-Krimi „Wegwerfmädchen“ hatte sie so sehr berührt, dass sie etwas tun musste.

Dieser Gedanke, etwas zu tun, war auch beim Pilger-Abend, zu dem Wallicher Herbergseltern eingeladen hatten, auf fruchtbaren Boden gefallen, so dass in der Stunde des Miteinanders nicht nur das Thema „Würde“ und die "Goldene Regel" rege diskutiert wurde, sondern auch der Bogen gedanklich bis hin zum Thema „Verantwortung im Leben“ gespannt wurde.

„Ich investiere nicht in Materielles, sondern in Menschen – sie sind die wertvolleren Kunstwerke"

Am 19. Mai 2017 ist Brunhilde Schierl im Rahmen der Ausstellung "Pilger(n) - Auf der Suche nach dem Glück" unter dem Titel "Pilgern ohne Geld?" im Frauenzentrum in Erfurt zu Gast.

Interesse am alten Weg: Die Erfurter 55-plus-Damen-Gruppe freute sich im April des Jahres 2016 über das herzliche Miteinander in Wallichen und über den selbstgebackenen Kuchen

Samstagspilger in Wallichen

Leckere Kuchen und geistige Nahrung: 18 Damen auf den Spuren des alten Pilgerweges / Foto: Anja Lemcke

Ines Koch aus Wallichen fasste den wunderschönen Nachmittag wie folgt zusammen: "Am 5. April 2016 besuchte die 55-plus-Damengruppe um Rita Welther unseren kleinen, beschaulichen Ort. Nach Ankunft der Damen gegen 14:30 Uhr nahmen diese unsere kleine, liebevoll restaurierte Kirche in Augenschein. Dabei wurde die sympathische Gruppe herzlich begrüßt. Es folgte ein kleiner "Osterspaziergang" auf dem alten Pilgerweg über die Dorfstraße, den Dorfplatz, entlang der alten Mühle in Richtung Ollendorf. Die Rückkehr erfolgte entlang der Gärten zur Dorfkirche, wo die Damen gegen 15:00 eintrafen.
Es wurde gemeinsam "Laudate omnes gentes" gesungen. Im Anschluss gab es ein herzliches Miteinander bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. Dabei lauschten die Damen gespannt den Erläuterungen zur Geschichte der Kirche, des Klosterhofes der Benediktiner und der Benediktinischen Gastfreundschaft.
Ausserdem gab es Einblicke in die Weggeschichte der Via Regia, der alten Poststraße  und der historischen Brücken am Weg.
Es gab auch viel zu erzählen über die Aktivitäten der Kirchgemeinde Vieselbach/Wallichen, des Kirchbauvereins Wallichen, Hinweise zur Wallicher Nicolaus Jonas Sorber-Glocke aus dem Jahre 1740 mit Querverbindung zum Dom und zum Schlossturmgeläut Weimar sowie zur Adam Eifert-Orgel aus dem Jahre 1893 usw. .
Die netten Damen stellten viele Fragen, die ihnen gern beantwortet wurden. Sie freuten sich sehr über die Einladung zum diesjährigen Johannisfest.
Frau Maria Waldmann interessiert sich sehr für die Organisation eines Pilgerweges von Stedten nach Wallichen entlang des historischen Pilgerweges gemeinsam mit dem Ursulinenkloster im Vorfeld der Bistumswallfahrt 2017.
Zum Abschluss dieses gelungenen Nachmittages wurde gemeinsam "Möge die Straße uns zusammenführen" gesungen."

Das Gartendorf am Pilgerweg hat derzeit den Pilgerhauptweg verloren - Wallichen liegt an der Weg-Variante

"Thüringer Allgemeine" und "Thüringische Landeszeitung hatten im Sommer 2015 unter dem Titel "Das Gartendorf am Pilgerweg soll den Pilgerweg verlieren" gemeldet, dass dem Ort der Verlust des Pilgerweges droht. Holger Wetzel schrieb, dass der Trägerverein für den Ökumenischen Pilgerweg ab diesem Sommer eine neue Wegführung zwischen Ollendorf und Kerspleben plane. Mittlerweile ist der neue Pilgerführer erschienen. Der Pilgerort Wallichen mit der stets offenen Kirche liegt nun nur noch an der Weg-Variante, die über Buchenwald und Niederzimmern verläuft. Die neue Hauptstrecke führt von Ollendorf aus, weitab der alten Via Regia, nach Norden, dann wieder nach Süden, tangiert Grossmölsen, führt wieder nach Norden, läuft durch Kleinmölsen auf neuen Wegen nach Töttleben, von dort weit nach Süden, um schließlich wieder auf den alten Weg nach Kerspleben zu kommen. Anlass der Umwidmung war eine minimale Wegkorrektur durch den Neubau der ICE-Strecke (ca. 900 Meter).

Wer den neuen Weg, der 2013 eingeführt wurde, nicht laufen möchte, kann nach wie vor auf dem alten, dem traditionsgebunden Weg, von Ollendorf nach Wallichen laufen, wie auf der Karte aus dem Jahre 2004 (s.u.) zu sehen ist. In Wallichen führt der Weg, wie in der Wegvariante der 2013er Karte gekennzeichnet, ein Stück in Richtung Vieselbach und anschließend direkt nach Kerspleben.


Kartenauszug aus dem Pilgerführer des Vereins Ökumenischer Pilgerweg e.V.

Bildzitat aus: Zeiher, Esther: Der Ökumenische Pilgerweg durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen / Esther Zeiher, Christoph Kühn unter Mitarb. von Brigitte Schmidt (Karte). Hrsg.: Ökumenischer Pilgerweg e.V. - 9., überarb. Aufl. - Weimar: Schöpfel, 2013. - S. 116 

Seit vielen Jahren führte der Ökumenische Pilgerweg, also der Hauptweg, der alten Pilgertradition folgend, über den Ort Wallichen. Die vorangegangenen Auflagen des Pilgerführers nahmen daher Bezug auf den historischen Weg entlang der Via Regia, die in einem Korridor nördlich des Ortes Wallichen verlief.


Ankündigung Unterschriftenliste

 

Bildzitat aus: Zeiher, Esther: Der Ökumenische Pilgerweg durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen / Esther Zeiher, Christoph Kühn unter Mitarb. von Brigitte Schmidt (Karte). Hrsg.: Ökumenischer Pilgerweg e.V. - 3., überarb. Aufl. - Weimar: Schöpfel, 2004. - S. 116

Die Via Regia, die spätere Poststraße, verlief zwischen den Ortschaften Großmölsen auf der einen Seite und Wallichen auf der anderen Seite, zeitweise gab es zwei gleichwertige Wege, der eine verlief direkt durch den Ort Wallichen, damals "Wahlichen". Im Mittelalter gab es hier einen großen, bedeutenden Klosterhof der Bürgeler Benediktiner.

Ankündigung Unterschriftenliste

 

Eine Landkarte aus dem Jahre 1757 zeigt die alte Straße, die direkt durch den Ort Wallichen führte, Töttleben und Kleinmölsen liegen hier eindeutig nördlich der historischen Via Regia, Großmölsen wurde südlich von ihr berüht. Quelle: Amt Eckartsberga: Accurate Geogr. Delineation des zu dem Thüringischen Creis gehörigen Ammtes Eckardtsberga.  Nebst allen daran grentzenden u. andern Gegenden In Amsterdam by Petrus Schenk mit Königl. u. Churfürstl. Sachs. Privilegio. MDCCLVII (Ausschnitt, Reprint über Verlag Rockstuhl).

Seit vergangenen Sommer sind zahlreiche Beiträge erschienen, die die Argumente der Wallicher Bürger zum Erhalt des historischen Pilgerweges beschreiben.

Ankündigung Unterschriftenliste

Bildzitat: Unterschriften und Argumente für den Erhalt des Pilgerweges: Die Einwohner identifizieren sich mit dem Weg. Die Argumente des Trägervereins überzeugen sie nicht / Holger Wetzel - In: Thüringer Allgemeine (2015-08-04)

Link: Die erschienenen Beiträge im Pressespiegel

Wohin geht nun der Weg ?

Franz Eisend hat den Pilgern, deren Vertretern und den Menschen am Weg eine Schrift mit dem Titel "Wohin geht der Weg?" gewidmet, die zum Download bereitsteht. Darin abgedruckt wurde auch die Stellungnahme des Vereins Ökumenischer Pilgerweg e.V. vom 23. Juli 2015, in der die Beweggründe für die Umwidmung als Antwort auf die spontanen Schreiben der Wallicher Bürger erläutert werden.

Zwei Unterschriftensammlungen

Unterschriftensammlung der Wallicher Bürger

Die Unterschriftenaktion der Bürger von Wallichen gegen die Entscheidung des Trägervereins brachte 98 Stimmen. Die Listen wurde dem Verein Ökumenischer Pilgerweg e.V. brieflich übergeben.

Auch die zweite Unterschriftenaktion der Pilger zum Erhalt des Hauptweges des Ökumenischen Pilgerweg durch Wallichen ("Wir Pilger verlieren den bewährten Ort der Einkehr") wurde von über 100 Pilgern aus ganz Deutschland und England unterzeichnet.

Mittlerweile hat auch ein erstes Gespräch mit Vertretern des Vereins Ökumenischer Pilgerweg e.V. in Wallichen stattgefunden. Auf Einladung der Initiativgruppe Ökumenischer Pilgerweg Wallichen kamen am 5. Januar 2016 die Vorstandsmitglieder Rolf Hofmann, Schwerstedt und Matthias Sengewald, Erfurt, nach Wallichen. Die Ergebnisse dieses ersten Arbeitsgespräches kann man im brieflichen Rückblick, der in der Dorfkirche ausliegt, nachvollziehen. Die auf den historischen Fakten beruhende Forderung der zahlreichen Pilger und der Wallicher Bürger, die alte Wegführung beizubehalten, wurde während der Vorstandssitzung des Vereins im März 2016 diskutiert. Damit sind beide Unterschriftensammlungen nun abgeschlossen.


Ankündigung Unterschriftenliste

Im vergangenen Jahr lief eine Unterschriftenaktion der Pilger zum Erhalt des Hauptweges des Ökumenischen Pilgerweg durch Wallichen.

Jetzt freuen sich nun die Wallicher Bürger auf die Pilgersaison 2016. Wie in den letzten Jahren auch nehmen sie Anteil an den Gedanken der Pilger, kochen Kaffee, reichen ein Wasser, so die Vorbeikommenden Durst haben, geben Hinweise zum Wegverlauf, "denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan (Mt. 7,8). Selbst einige Herbergsunterkünfte werden 2016 zur Verfügung stehen.

Link: Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger in Wallichen

 

Ankündigung Unterschriftenliste

"Wir haben so viel für die Pilger getan, jetzt sammeln wir Ideen für eine Pilger-Verbund-Herberge", so Bernhard Kühn (l.), Mitglied des Ortsteilrates von Vieselbach und Mitstreiter in der Initiativgruppe Ökumenischer Pilgerweg Wallichen / Foto: Anja Lemcke, Wallichen

Pilgern von Kirche zu Kirche und von Kloster zu Kloster - Wallichen besitzt eine jahrhundertealte Pilgertradition

Wallichen besitzt eine sehr lange Pilgertradition, waren es doch insbesondere die Benediktiner,die nach den Regeln des heiligen Benedikt alle Fremden gern aufgenommen haben, "allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern". In der Unterkunft sollten daher immer genügend Betten bereitstehen. Im Klosterhof Wallichen gab es nach Aussagen des letzten Hofmeisters, des Benediktinermönchs Jodokus Fassmann, der sich 1532 an das Jahr 1525 erinnert, "20 Federbetten mit Tüchern, Pfühlen und Kissen" und Küchengerät "im Überfluß". (Kürth: Aus Vieselbachs Vergangenheit, II, S. 212)

Die Wallicher Kirche selbst geht auf das Jahr 1241 zurück.

Der alte Weg - die Via Regia, später als Poststraße bezeichnet -verlief in einem "Korridor" zwischen Großmölsen auf der einen Seite und Wallichen auf der anderen Seite

Karte aus dem Jahre 1706 bis 1802 aus dem Stadtarchiv Erfurt

 

Eine Landkarte, die sich im Erfurter Stadtarchiv befindet, zeigt den Zustand der alten Straße zwischen 1706 bis 1802. Töttleben und Kleinmölsen liegen auch hier wieder eindeutig nördlich der historischen Via Regia, Großmölsen wurde südlich von ihr berüht / Abbildung: Landeshauptstadt Erfurt/Stadtarchiv

Für den Ort Wallichen, der erstmals 1143 in einer Urkunde des Erzbischofs Heinrich zu Mainz Erwähnung findet, wird 1241 eine Kirche beschrieben. Der Abt des Klosters Bürgel, Wittigo, erhebt Anspruch auf die "super ecclesia in Waldege" für die er das Patronatsrecht besitzt. Forschungen der Professoren Wirth und Hoppert, Bauhaus-Universität Weimar, bestätigen die 700 Jahre alten Grundmauern der Kapelle, auf der die heutige Dorfkirche, wahrscheinlich im Jahre 1653 erbaut, steht. Jedes Jahr suchen zahlreiche Pilger das stets offene Gotteshaus auf.

Karte aus dem Jahre 1706 bis 1802 aus dem Stadtarchiv Erfurt

Link: Dorfkirche Wallichen - Vorgängerbau aus dem Jahre 1241

Von Kirche zu Kirche - auch in unseren Tagen

Für den 22. Mai des Jahres 2005 hatte das "Gemeinsame Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaften Berlstedt und Buttelstädt" in der Ausgabe vom 03.05.2005 unter dem Kapitel "Kirchliche Nachrichten" zu einem gemeinsamen Pilgern von Kirche zu Kirche aufgerufen. Der Pilgertag begann damals in Kerspleben und führte über Wallichen, Ollendorf, Hottelstedt und Ottmannshausen schließlich nach Stedten.

Das Weltjugendtagskreuz wurde einen Monat später, am 23. Juli 2005, durch Wallichen getragen

 

Pilgergruppe auf dem Weg zum Weltjugendtag

Eine Gruppe junger deutscher und englischsprechender Pilger machte am 23. Juli 2005 in Wallichen Station. Entlang des alten Jakobspilgerweges war sie singend aus Richtung Niederzimmern gekommen. Voran schritt der Erfurter Weihbischof Hans-Reinhard Koch, der sich der Pilgergruppe angeschlossen hatte. Er trug zusammen mit 3 weiteren Pilgern das 31 Kilogramm schwere und knapp vier Meter lange Weltjugendtagskreuz durch den Ort. Beim Eintreffen der Gruppe hatte die Kirchenälteste, Erika Beringer, die Kirchturmglocke aus dem Jahre 1740 geläutet und damit zum Gebet eingeladen. Pfarrer Hosea Heckert und der Vorsitzende des Kirchbauvereins, Bernhard Kühn, begrüßten die Gäste. Der Weihbischof sprach ein Gebet für die Anwesenden. Anschließend luden die Vertreter des Kirchbauvereins die Pilger ein, die kleine barocke Kirche in Augenschein zu nehmen. Vor der Kirche wurde schließlich auch das Extra-Blatt überreicht, das anläßlich der bemerkenswerten Fußwallfahrt eigens für die Wallicher herausgegeben worden war. Kurzentschlossen wurde von den Wallfahrern festgelegt, daß das Blatt Aufnahme in das Logbuch der Pilgergruppe finden soll. Damit konnten alle Teilnehmer des 20. Weltjugendtages in Köln - immerhin waren das 800.000 Jugendliche, 600 Bischöfe und 4.000 Journalisten aus aller Welt - von der Begegnung der Einwohner mit den interessierten Pilgern im kleinen thüringischen Ort Wallichen Kentniss nehmen.

Link: Zu Fuß mit dem Kreuz nach Köln

 

Anläßlich des 3. Ökumenischen Pilgertages kamen Pilger nach Wallichen

Pilgergruppe zum 3. Ökumenischen Pilgertag

Anläßlich des 3. Ökumenischen Pilgertages machte eine Gruppe Pilgerinnen am 17. Juni 2006 in unsere Gemeinde Station. Begonnen hatten sie ihren Weg an der Erfurter Kaufmannskirche. Bernhard Kühn, der Vorsitzende des Kirchbauvereins, erläuterte die Geschichte der Dorfkirche und die Aktivitäten des Kirchbauvereins. Nächstes Etappenziel der Pilgerinnen war Ollendorf.

Im Augustinerkloster Erfurt gibt es ein Pilger-Souvenir

Dieses Souvenir brachten die Pilgerinnen aus dem Erfurter Augustinerkloster mit. Seit über 100 Jahren gehen Menschen übrigens den Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Einst führte der Weg von Warschau und Krakau entlang der Königs- und Handelsstraße Via regia bis nach Spanien. Santiago de Compostela wurde im Mittelalter als Ziel von Millionen von Pilgern in einem Atemzug mit Jerusalem und Rom genannt.

Pilger von der Deutschen St. Jakobusgesellschaft, Region Miteldeutschland, trafen im Juni 2007 in Wallichen ein

Samstagspilger in Wallichen

Im Rahmen der Aktion "Ökumenisches Samstagspilgern" kam am 2. Juni 2007 eine Pilgergruppe unter der Leitung von Dagmar Schlegel von der Deutschen St. Jakobusgesellschaft, Region Miteldeutschland, nach Wallichen. Die Aktion wurde gemeinsam von Mitgliedern des Regionalverbandes und Vertretern der Altenburger Evangelischen Akademie/Ev. Erwachsenenbildung veranstaltet. Pfarrer Heckert hat eine wunderbare Mittagsandacht gehalten, Bernhard Kühn berichtete viel Interessantes zur Kirche und zu ihrer Renovierung und Erika Behringer bewirtete die Gäste auf Herzlichste. Der Weg der Pilgergruppe führte von Hopfgarten in Richtung Erfurt.

Pilgerstempel und Gästebuch gibt es in der Kirche

Stempel in der Dorfkirche

 

 

In der Kirche gibt es einen Pilgerstempel und ein Gästebuch. In diesem haben sich schon zahlreiche Pilger lobend über den Ort und das kleine Gotteshaus geäußert.

„Die erste offene Kirche seit Naumburg auf dem Pilgerweg“ (Ingo Mohn, Dresden)

„Zwei Pilgerinnen bedanken sich für die erste offene Kirche an diesem Tag“ (Claudia und Christiane)

„Perfekter Rastplatz für das Pilgern .. Danke für das Vertrauen und Offenheit“ (5 Pilger aus Chemnitz)

„Danke für die offene Kirche und den liebevollen Pilgerkorb am Wegesrand. Ich habe für meinen weiteren Weg den 139. Psalm von der Bibel auf dem Altar…  genommen“ (Barbara aus Kiel)

„Wir wollten weitergehen, weil sowieso alle Kirchen geschlossen sind…und dann diese schöne, wunderbare Überraschung, die Kirche ist offen. .. Die Kirche lebt, es gibt hier Menschen, die sich dieses Gotteshauses annehmen… herzlichen Dank an diese Menschen“ (Rosa und Karl Herzog aus Biberach)

„Danke für die offene Kirche, auch im Namen unserer Füße… Wir haben gleich ein Liedchen angestimmt“ (Elke und Beate aus Dresden)

Die "Pilgerbank Wallichen" lädt zum Verweilen ein

Bank mit weisser Schrift

Am Wegesrand steht die "Pilgerbank Wallichen". Sie lädt zum Verweilen ein und zeigt den Weg zur stets offenen kleinen Dorfkirche.

Pilgermuschel auf Graffito

Graffiti mit Pilgermuschel

 

Selbst an der Dorfstraße findet man die Pilgermuschel auf einem Graffiti. Gleich nebenan stehen Bänke, die ebenso mit der Pilgermuschel und mit interessanten Zitaten geschmückt sind... "Begrenzt  ist das Leben - doch unerschöpflich ist die Liebe" oder „Zu lieben ist Segen – geliebt zu werden Glück“ oder „Mensch-Sein beginnt im eigenen Herzen“.

Graffiti mit Pilgermuschel

 

Gedruckt wurde kürzlich eine Ansichtskarte „Wallichen – das Gartendorf am Pilgerweg - 2016“. Interessierte finden auf der Rückseite den Hinweis auf die sogenannte „Goldene Regel“ – „Alles, was Ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Mt. 7,12). Wer sich oder anderen mit der Karte eine kleine Freude machen möchte, kann dieselbe gegen eine kleine Spende für die Pilgerkirche Wallichen beim Organisationsteam „Pilgerweg Wallichen“ entgegennehmen.

 

Link: Dorfkirche Wallichen


Link: Ökumenischer Pilgerweg
 

Link: Pilgern in Mitteldeutschland
 

Link: Wanderkompass - das Portal für Wanderer


 

Pilgergruppe, das Weltjugendtagskreuz und Weihbischof Koch
v.l.n.r.: Pilger aus verschiedenen Ländern in Wallichen, das Weltjugendtagskreuz, Weihbischof Koch im Gespräch mit einem Pilger

 

E-Mail an das Organisationsteam "Pilgerweg Wallichen"